Die Brüsselfahrt

Seit über 10 Jahren erkunden Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs auf der jährlichen Brüsselfahrt Europa und die europäischen Institutionen vor Ort in der „europäischen Hauptstadt“. Bis zu zwei Drittel der in Deutschland beschlossenen Gesetze haben mittlerweile ihren Ursprung in gemeinsam auf europäischer Ebene beschlossenen Richtlinien und Verordnungen, die weit in unseren Alltag wirken. So verdanken etwa die Norderstedter ihr ausgedehntes Radwegenetz einer EU-Lärm- und Umweltschutzrichtlinie, deren konkrete Umsetzung in Norderstedt auf kommunaler Ebene beschlossen und wiederum durch EU-Mittel gefördert wurde.

Dabei findet sich aber kaum noch jemand im Geflecht des Mehrebenensystems zurecht. Der Rat der Europäischen Union ist nicht der Europäische Rat ist nicht der Europarat. Und was macht eigentlich die Kommission, was darf das Parlament, worum kümmert sich der Ausschuss der Regionen? Welche Chancen haben schleswig-holsteinische Interessen, in Brüssel Gehör zu finden, wie ist es um den Lobbyismus bestellt, wie interagieren Kommunen, Länder, Bund und europäische Institutionen?

Vor Ort haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre abstrakten Kenntnisse aus dem WiPo – Unterricht zu vertiefen und ihnen konkrete Orte, Personen, Erfahrungen zuzuordnen. Für das Zusammenwachsen der europäischen Völker, für ein europäisches Bürgerbewusstsein, eine gemeinsame europäische Identität sind sowohl Kenntnisse als auch Primärerfahrungen unabdingbar, damit sich die Solidarität der Bürger Europas entfalten kann und der wirtschaftlichen und politischen Vergemeinschaftung in einem föderalen Europa langfristig auch so etwas wie ein europäisches Staatsvolk gegenübersteht, welches das gemeinsame europäische Agieren trägt und mitgestaltet.

Nachdem die Fahrt lange einer kleinen „Elite“ von 20 Schüler/innen vorbehalten war, ist es im aktuellen Q1-Jahrgang gelungen, diese Zahl auf knapp 60 zu erhöhen und somit das „Elitenprojekt“ EU auf breitere Füße zu stellen.