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Mi 27.01.2016

„Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“

Ein Zeitzeuge des Holocaust erzählt

Wie fühlt man sich, wenn einem alten Mann plötzlich Tränen in die Augen schießen, während er erzählt, dass seine Freundin und ihr Baby von Soldaten erschossen wurden und er nur ihre Schreie hörte, bis es auf einmal still war?
Es ist herzzerreißend. Dieses Gefühl werden wir Schüler des Religionskurses Q2 von Frau Hofmann wohl nicht so schnell vergessen. Denn zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, am 27. Januar, hatten wir Besuch. Besuch von einem Überlebenden des Holocaust. Avner Gruber ist für uns in seine Vergangenheit getaucht, um seine Geschichte als jüdischer Verfolgter zu erzählen. Eine Geschichte, die in einem kleinen Dorf in Rumänien beginnt, die von Hunger, Peitschenhieben, Vergewaltigung und Morddrohungen am Telefon erzählt, und davon, wie er lügen, stehlen und ziellos wegrennen musste, um am Leben zu bleiben und wie er unglaublicherweise immer und immer wieder dem Tod von der Klinge gesprungen ist.
Es ist eine wahnsinnig fesselnde und traurige Geschichte, die Avner Gruber mit uns geteilt hat. Rund zwei Stunden hat er uns erzählt, worüber er so lange nicht sprechen konnte. Auch Jahre nach dem Krieg wurde er noch von Albträumen geplagt, schrie und weinte im Schlaf, bis er eines Tages seinen Kindern von der Geschichte seiner Jugend berichtete. Danach schrieb er ein Buch und veröffentlichte es unter einem Pseudonym. Heute lebt der studierte Jurist in Lübeck und ist glücklicher Großvater von vier Enkeln. Offen spricht er an Schulen über die schlimmste Zeit seines Lebens.
Für uns Schüler war es ein sehr bewegender Vormittag und eine seltene, wertvolle Erfahrung, mit einem Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Herzlicher Dank gebührt unserer Religionslehrerin Frau Hofmann, die diesen besonderen Gast zu uns gebracht hat, sowie natürlich Herrn Gruber selbst. Danke, Herr Gruber, dass Sie uns Ihre Geschichte erzählt haben.

(Text: Anna-Valeria Dilger (Q2b); Bilder: Eb)